Zuletzt aktualisiert: April 2026

Was ist ein strukturiertes Interview? Leitfaden für KMU

Ein strukturiertes Interview ist ein Bewerbungsgespräch, bei dem alle Kandidaten die gleichen Fragen in der gleichen Reihenfolge gestellt bekommen und die Antworten anhand vorab definierter Kriterien bewertet werden. Das Gegenteil: ein unstrukturiertes Interview, bei dem du die Fragen stellst, die dir gerade einfallen, und am Ende nach Gefühl entscheidest.

Warum ist das wichtig?

Die Forschung ist hier eindeutig: Strukturierte Interviews sagen die spätere Arbeitsleistung deutlich besser voraus als unstrukturierte Gespräche. Der Grund ist einfach: wenn jeder Kandidat andere Fragen bekommt, vergleichst du Äpfel mit Birnen. Aber in der KMU-Praxis passiert genau das: Du gehst ins Gespräch, es entwickelt sich ein nettes Hin und Her, du findest den Kandidaten sympathisch, ihr redet 40 Minuten und danach weißt du eigentlich nicht mehr, als dass die Chemie gestimmt hat. Das fühlt sich gut an. Ist aber keine Grundlage für eine Entscheidung, die dein Unternehmen 50.000 € oder mehr kosten kann.

Wie führst du ein strukturiertes Interview?

Es sind drei Schritte:
  1. Kriterien vorher festlegen Was muss diese Person können? Nicht „Teamfähigkeit". Das ist eine Eigenschaft, keine überprüfbare Fähigkeit. Sondern: „Kann eigenständig mit Kunden verhandeln" oder „Bringt Erfahrung in der Auftragsabwicklung mit." 4–5 Kriterien reichen.
  2. Fragen zu jedem Kriterium formulieren Zu jedem Kriterium eine gezielte Frage, die zeigt, ob der Kandidat das Kriterium erfüllt. Am besten sogenannte situative Fragen: „Beschreib mir eine Situation, in der du ein Problem ohne Anleitung lösen musstest." Das zeigt echtes Verhalten, nicht angelerntes Antworten.
  3. Antworten bewerten mit einer Scorecard Nach dem Gespräch bewertest du jedes Kriterium auf einer Skala von 1–5. So kannst du Kandidaten objektiv vergleichen und deine Entscheidung gegenüber deinem Chef begründen. Mehr dazu: Was ist eine Interview-Scorecard?

Der häufigste Einwand

„Aber dann wird das Gespräch ja total steif und unnatürlich." Nein. Struktur bedeutet nicht, dass du ein Skript abliest. Du hast einen Leitfaden, aber du kannst trotzdem nachfragen, auf Antworten eingehen, das Gespräch lebendig halten. Die Struktur sorgt nur dafür, dass du am Ende die Informationen hast, die du brauchst, um sicher zu entscheiden. Ohne Struktur vergisst du die eine wichtige Frage, weil das Gespräch in eine andere Richtung gelaufen ist. Mit Struktur passiert das nicht.

Strukturiert vs. Unstrukturiert: der Unterschied

Unstrukturiert: „Erzählen Sie mal was über sich." → 40 Minuten Smalltalk → „Gutes Bauchgefühl." → Hoffen, dass es klappt. Strukturiert: 5 Kriterien → 5 gezielte Fragen → Bewertung mit Scorecard → „Kandidat B ist in 4 von 5 Kriterien die bessere Wahl. Hier ist die Auswertung."

So startest du

Nimm deine nächste offene Stelle. Schreib 5 Kriterien auf, die der Kandidat erfüllen muss. Formuliere zu jedem Kriterium eine Frage. Druck das aus und nimm es mit ins Gespräch. Das dauert 20 Minuten Vorbereitung und macht jedes Interview sofort besser.
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In der Recruitingschule bekommst du in Modul 5 einen kompletten Interview-Leitfaden mit fertigen Fragen und einer Scorecard-Vorlage plus eine Einführung in die häufigsten Denkfehler, die deine Entscheidung unbewusst verzerren.

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